17.04.2025
Die letzte Etappe
Am 31.03. erreichten wir zu viert die Stadt Cusco – einst Zentrum des mächtigen Inkareichs und heute eine lebendige Mischung aus kolonialem Erbe und indigener Kultur. Enge Gassen, alte Mauern und farbenfrohe Märkte erzählen von einer faszinierenden Vergangenheit, die hier allgegenwärtig scheint. Wir besichtigten die beeindruckende Inka-Ruine Sacsayhuamán mit ihren gewaltigen, passgenau gesetzten Steinen sowie die weiße Christusstatue Cristo Blanco, die über der Stadt thront.










Am darauffolgenden Tag fuhren wir mit dem Bus nach Ollantaytambo. Von dort aus startete unsere Fahrt mit dem Inka Train Richtung Machu Picchu. Die weltberühmte Ruinenstadt liegt auf einem Bergrücken auf rund 2400 Metern, zählt zu den neuen sieben Weltwundern und gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen präkolumbianischer Baukunst.










Am 02.04. ging es für uns wieder auf die Straße. Auf unserem Weg Richtung Westen legten wir einen Stopp am Cañón del Apurímac ein. Die gewaltige Schlucht, durch die sich der Río Apurímac seinen Weg bahnt, zählt zu den tiefsten Canyons Südamerikas – an manchen Stellen über 3000 Meter tief. Von den Aussichtspunkten bot sich uns ein atemberaubender Blick in die steilen, grünbraunen Felshänge, durch die sich der Fluss weit unten wie ein silbernes Band schlängelt.





Am Abend fanden wir einen schönen Platz direkt am Fluss – es sollte unsere letzte gemeinsame Übernachtung zu viert sein. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Fabi und Ada. Danke euch für diese wunderbare und erlebnisreiche Zeit!

Während sich die beiden auf den Rückweg machten – über die Ruta 3S an die Küste, vorbei an Nazca und Ica, zurück nach Lima und schließlich nach Hause – wandten wir uns nach Süden. Eine holprige Schotterpiste führte uns zwei volle Tage lang über unzählige Serpentinen, durch eindrucksvolle Landschaften, vorbei an Wasserfällen, durch Flüsse und über hohe Pässe. Wir durchquerten Sonne, Regen, Hagel und Schnee, fuhren durch hunderte Quadratkilometer unbewohntes Gebiet, in dem nur Lamas und Vikunjas leben. Diese Einsamkeit war faszinierend – und gleichzeitig ein wenig unheimlich.







Schließlich erreichten wir den Colca Canyon, den zweittiefsten Canyon der Welt, bekannt für seine atemberaubende Schönheit und als Heimat des Andenkondors, einem der größten flugfähigen Vögel der Welt mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,20 Metern.

Am Morgen des 07.04. begannen wir den steilen Abstieg in den Canyon, um die Oase Sangalle zu erreichen. Weiter ging es am Fluss entlang nach San Juan de Cocha, wo wir erschöpft in eine Lodge einkehrten und die Nacht verbrachten.
Am nächsten Morgen starteten wir vor Sonnenaufgang unseren Aufstieg. Mit 1300 Höhenmetern vor uns und dem goldenen Licht des Sonnenaufgangs, das den Canyon erleuchtete, bot der Weg hinauf einen unvergesslichen Anblick. Noch vor der Mittagshitze erreichten wir den oberen Rand des Canyons und den Ort Cabanaconde.









Noch am selben Tag brachen wir auf und setzten unsere Reise fort, immer weiter südwestlich. Wir fuhren vorbei an Arequipa und erreichten schließlich die Wüstenstadt Tacna, von wo aus wir die Grenze nach Chile überquerten. Die Städte Arica und Tacna sind Zwillingsstädte, da sie geografisch und kulturell eng miteinander verbunden sind, wobei Arica in Chile und Tacna in Peru liegt – eine enge Beziehung, die sowohl historische als auch wirtschaftliche Verbindungen umfasst.
Von nun an führte uns der Weg stetig südwärts, durch sandiges und steiniges Gelände, bis wir in die Atacama-Wüste gelangten, die trockenste Wüste der Welt. Hier rührt sich kein Leben, nur die Weite und Einsamkeit der Wüste bestimmen das Bild. Hunderte Kilometer durch ödes Land, entlang der Pazifikküste, bis wir schließlich unser Ziel erreichten: Santiago de Chile. Hier begann vor fünf Monaten unser großes Abenteuer in Südamerika – und hier wird es auch enden. In den kommenden Tagen werden wir unser Auto verkaufen und dann heißt es auch für uns: zurück in die Heimat.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 4.077 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 36.515 km
Zeitverschiebung: 6 h (zurück)







30.03.2025
Viva la Vida – Vier Freunde erleben Peru
Am Freitag, dem 21.03., begann endlich unsere gemeinsame Reise zu viert. Nach einem langen Flug erreichten Fabi und Ada unser Apartment in Lima, der Hauptstadt Perus. Nach einer Stadtbesichtigung, einem köstlichen Abendessen und einer erholsamen Nacht ging es für uns hinaus in die peruanischen Berge. Schon hier zeigte sich, was dieses Land zu bieten hat: Grüne Berghänge und tiefe Täler machen die Autofahrten hier zu etwas ganz Besonderem.






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In der Nähe des Ortes Obrajillo, auf 2900 Metern Höhe, fanden wir unsere Unterkunft für die kommenden zwei Nächte. Von hier aus bot sich uns ein malerischer Blick auf das Tal und den Fluss Río Chillon. Ein besonderes Highlight war der Sonnenuntergang, der die Berge in ein warmes, orangerotes Licht tauchte.




Wir besichtigten die neu errichtete Inka-Ruine Imperio Guaya, auch bekannt als "Machu Picchu Limeño", und wanderten entlang der tosenden Wasserfälle, die sich beeindruckend die Hänge hinabstürzten.







Am Montag, dem 24.03., setzten wir unsere Reise in nordöstlicher Richtung fort und stiegen weiter in die Berge hinauf. In Höhen von über 4500 Metern erwartete uns eine atemberaubende Landschaft mit rauschenden Wasserfällen und kristallklaren Bergseen.






Unsere erste gemeinsame Nacht in der Natur verbrachten wir am Río Mantaro. Timo und ich schliefen weiterhin im Dachzelt, während Fabi und Ada sich langsam an die Nächte auf der Liegefläche in Monti gewöhnten – nach etwas Eingewöhnung klappt das schon richtig gut.

Am Dienstag unternahmen wir eine kleine Wanderung in den Cañón de Shujto. Aus 60 Metern Höhe blickten wir hinab auf den Fluss, der sich wie ein silbernes Band durch den Canyon ins grüne Tal von Canchayllo schlängelt.







Weiter führte uns die Straße Richtung Huancayo und schließlich ins Tal des Cerro Jallacate. Umsäumt von hohen Berghängen erstrecken sich hier zahlreiche Lagunen, an deren Ufern Lamas und Rinder grasen. Bei der Laguna Coche Grande schlugen wir unser Lager auf und verbrachten die Nacht auf 4600 Metern Höhe in eisiger Kälte. Am Morgen wurden wir mit einem spektakulären Ausblick auf den Gletscher und die tiefblaue Lagune belohnt.







Von Huancayo aus folgten wir dem Río Mantaro, vorbei an steilen Abhängen und aufragenden Gipfeln, über eine herausfordernde Straße. Eine Zwischenübernachtung verbrachten wir mit Blick auf die Berge und den Fluss, bevor wir am 28.03. die Stadt Ayacucho erreichten. Hier verbringen wir insgesamt zwei Nächte im Stadtzentrum, bevor es morgen weiter über die Ruta 3S in Richtung Cusco geht.




Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 871 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 32.438 km
Zeitverschiebung: 7 h (zurück)

20.03.2025
Fuente de vida
Am Montag, dem 10.03., verließen wir La Paz und begaben uns auf die Ruta 2 in westlicher Richtung. Nach bereits 75 Kilometern erreichten wir den auf 3800 m Höhe gelegenen Titicacasee, einen der größten Seen Südamerikas. Die Umgebung dieses weltberühmten Gewässers gilt als Wiege der Inkakultur – der Legende nach liegt hier der Geburtsort der Sonne. Entlang des Ufers finden sich zahlreiche archäologische Überbleibsel, und die im See liegende Sonneninsel (Isla del Sol) galt einst als eine der bedeutendsten Stätten der Hochkultur.






Am 11.03. überquerten wir entlang des Südufers die peruanische Landesgrenze und erreichten den Ort Puno. Von dort aus führte uns die Reise weiter in Richtung Arequipa, auch bekannt als die "weiße Stadt". Sie liegt malerisch am Fuße des Vulkans Misti und wurde größtenteils aus dem hellen, vulkanischen Sillar-Gestein erbaut. Dieses Material ist besonders beliebt, da es leicht, stabil, hitzebeständig und optisch edel wirkt – so verleiht es der Stadt ihren einzigartigen Charakter.








Schließlich führte uns der Weg hinunter an die Pazifikküste – die klimatischen Veränderungen auf dieser Strecke waren enorm. Während es im Hochland noch kalt und regnerisch war, erwartete uns an der Küste eine trockene, warme Wüstenlandschaft. Das Leben hier spielt sich nur dort ab, wo Wasser auf den trockenen Wüstenboden trifft. Plötzlich tauchen zwischen Sand und Geröll grüne Wiesen, Plantagen voller Olivenbäume und kleine Dörfer auf – dazwischen: endlose, leblose Einöde.




Auf dieser Route stießen wir auf eines der wohl mysteriösesten Erbstücke südamerikanischer Kulturen – die Nazca-Linien. Dabei handelt es sich um riesige Scharrbilder, sogenannte Geoglyphen, die sich in der Wüste bei der Stadt Nazca im Süden Perus befinden. Sie wurden vermutlich zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr. von der Nazca-Kultur erschaffen – also lange vor der Zeit der Inka. Die Linien bilden tierische, pflanzliche und geometrische Motive – manche über Hunderte Meter groß. Bis heute bleibt es ein Rätsel, welchen Zweck diese beeindruckenden Symbole erfüllten. Dank des extrem trockenen Klimas sind sie bis heute erstaunlich gut erhalten.



Weiter nördlich erreichten wir schließlich die Stadt Ica und die nahegelegene Wüstenoase Huacachina. Einst trat hier natürliches Quellwasser an die Oberfläche, dem heilende Kräfte nachgesagt wurden. Der Ort ist auch von Mythen umwoben: Der Legende nach entstand der See, als eine Prinzessin beim Baden gestört wurde, flüchtete und dabei einen Spiegel fallen ließ, der sich in einen See verwandelte. Manche sagen, sie lebe bis heute als Meerjungfrau im Wasser.
Heute wird das Wasser künstlich zugeführt, und Huacachina hat sich zu einem beliebten Reiseziel entwickelt. Besonders von den umliegenden Dünen bietet sich ein grandioser Blick – nicht nur auf den Ort selbst, sondern auch auf die endlose, goldene Dünenlandschaft.



Anschließend fuhren wir weiter in Richtung Lima. Auf dem Weg dorthin übernachteten wir an der Küste, unterhalb eines kleinen Leuchtturms. Dort erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang, beobachteten Wasservögel und sogar Delfine - ein Moment, der uns ganz besonders in Erinnerung bleiben wird.






Nun beginnt für uns ein neues Kapitel: In Lima treffen wir auf Fabi und Ada. Was wir in der kommenden Zeit gemeinsam erleben werden und wie wir zu viert neue Abenteuer in der Wildnis bestehen, erzählen wir in unserem nächsten Eintrag.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.681 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 31.567 km
Zeitverschiebung: 6 h (zurück)

09.03.2025
La Paz
La Paz liegt eingebettet im Canyon des Río Choqueyapu und erstreckt sich bis auf das Hochland des Altiplano. Zwischen dem Talkessel und den umliegenden Höhenlagen bestehen enorme Unterschiede – nicht nur geografisch, sondern auch sozial. Je höher die Viertel liegen, desto ärmer sind ihre Bewohner. Besonders El Alto, das inzwischen mehr Einwohner zählt als La Paz selbst, ist von extremer Armut geprägt.
Nicht nur die fantastische Aussicht von den hochgelegenen Stadträndern beeindruckt, sondern auch die verwinkelten, steilen Straßen mit ihren bunten, leuchtenden Marktständen. Im Dunkel der Nacht glitzert La Paz wie ein Strom aus goldenen Münzen, der sich über die Berghänge in den Talkessel ergießt.









Eine der faszinierendsten Besonderheiten der Stadt ist die Teleférico – das weltweit größte Seilbahnnetz mit über 30 Kilometern Länge. Von dort aus bietet sich ein beeindruckender Blick auf das geschäftige Treiben der Metropole. Für nur 40 Cent pro Fahrt ist sie nicht nur ein praktisches Verkehrsmittel, sondern auch eine perfekte Möglichkeit, die Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben.




Am 07.02. wagten wir uns auf ein echtes Abenteuer: Mit dem Mountainbike fuhren wir die berüchtigte Death Road hinunter. Die 60 Kilometer lange Schotterpiste überwindet dabei unglaubliche 3.500 Höhenmeter und führt durch atemberaubende Landschaften, vorbei an steilen, ungesicherten Abhängen – oft kaum breiter als drei Meter. Einst die gefährlichste Straße der Welt, forderte sie bis zur Eröffnung einer Alternativroute im Jahr 2007 jährlich bis zu 300 Todesopfer. Ein Adrenalinkick, den wir so schnell nicht vergessen werden.

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Morgen brechen wir auf – La Paz bleibt zurück, und am Ufer des Titicacasees erreichen wir die peruanische Grenze.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 10 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 29.886 km
Zeitverschiebung: 5 h (zurück)

04.03.2025
Salz und Silber
Am Mittwoch, dem 26.02., verließen wir Villazón über die Ruta 14 in nördlicher Richtung. Noch am Vormittag wollten wir die Stadt Tupiza erreichen, doch kurz vor der Einfahrt gerieten wir in eine Straßenblockade. Solche Blockaden sind in Bolivien leider keine Seltenheit – immer wieder kommt es aufgrund politischer Spannungen zu Bürgerstreiks, Unruhen und Straßensperren. In unserem Fall war die anhaltende Ölkrise der Auslöser, von der vor allem Lkw- und Taxifahrer betroffen sind. Zum Glück wurde die Blockade nach vier Stunden aufgelöst, denn in Extremfällen können sie sich über Tage hinziehen.


An Timos 30. Geburtstag wanderten wir durch den Cañón del Inca, eine beeindruckende Schlucht, die tief in die rostroten Berge ragt. Ein abenteuerlicher Pfad führte uns durch die hoch aufragenden Felswände. Anschließend gönnten wir uns ein Essen im Stadtzentrum von Tupiza – für umgerechnet elf Euro wurde man hier mehr als satt.






Von Tupiza aus folgten wir der Ruta 21 nordwestwärts in die Berge. Auf über 4.000 Metern Höhe überquerten wir den Pass der östlichen Andenkette und fuhren entlang des erloschenen Vulkans Chorolque in das Altiplano. Auf einer durchschnittlichen Höhe von 3.600 Metern erstreckt sich hier eine riesige, von Bergen umringte Hochebene.






Schließlich erreichten wir Uyuni und den gigantischen Salar de Uyuni, die größte Salzpfanne der Erde. Über 10.582 km² erstreckt sich eine schier endlose weiße Wüste, die bis zu 100 Meter tief ist und rund zehn Milliarden Tonnen Salz enthält. Im Sommer bildet sich eine harte Salzkruste, während die Fläche in den Regenmonaten von mehreren Zentimetern Wasser bedeckt wird – dann verwandelt sie sich in einen riesigen Spiegel. Neben der Salzgewinnung wird hier auch Lithium abgebaut, denn der Salar beherbergt das größte Lithiumvorkommen der Welt. Doch in einem der ärmsten Länder Südamerikas profitieren die Menschen kaum davon.





Am Samstag, dem 01.03., unternahmen wir eine Wanderung entlang des Río Rilcomayao, dessen Wasser aus heißen Quellen gespeist wird. Mit einer Temperatur von 60 °C sprudelt das Wasser aus der Erde und trifft auf das kalte Flusswasser. Während wir flussaufwärts folgten, entdeckten wir eine Flussgabelung mit alten, verfallenen Steinhäusern. Am Fuße der Berge schlugen wir unser Zelt im Innenhof zweier Hütten auf und verbrachten dort die Nacht.








Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Poopó, einem Ort am gleichnamigen, fast ausgetrockneten See. Hier finden sich die Ruinen alter Silberminen, Zeugen einer langen Geschichte des Silberabbaus in Bolivien. Der Bergbau begann maßgeblich im 16. Jahrhundert mit der Entdeckung des Cerro Rico in Potosí, einer der reichsten Silberminen der Welt. Während der Kolonialzeit machten die spanischen Eroberer immense Profite auf Kosten der indigenen Bevölkerung, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten musste. Heute zählt Bolivien weiterhin zu den wichtigsten Silberproduzenten, doch viele Vorkommen – insbesondere in Potosí – sind nahezu erschöpft. Zudem sind die Arbeitsbedingungen hart, und der Bergbau bringt massive Umweltprobleme mit sich.



Mit einem kurzen Zwischenstopp in Oruro erreichten wir schließlich La Paz, den höchstgelegenen Regierungssitz der Welt. Schon in den ersten Stunden hat uns diese Stadt fasziniert und zugleich schockiert. In den kommenden Tagen werden wir sie weiter erkunden.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 912 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 29.876 km
Zeitverschiebung: 5 h (zurück)

20.02.2025
Himmel und Hölle so nah
Am 12. Februar führte uns die Ruta 307 von Tucumán aus in nordwestlicher Richtung hinein in die nordargentinischen Anden. Schließlich erreichten wir die legendäre Ruta 40 – die bekannteste Nord-Süd-Verbindung des Landes –, die uns in den Ort Cafayate brachte. Dort wanderten wir entlang des Río Colorado, begleitet von einem treuen vierbeinigen Begleiter, der uns den gesamten Weg nicht von der Seite wich. Abschiede fallen hier oft schwer, denn die Straßenhunde wachsen einem viel zu schnell ans Herz.



Hinter Cafayate verwandelte sich die zuvor asphaltierte Ruta 40 in eine raue Schotterpiste, die uns über die weiten Hochebenen der Anden führte. Unterwegs erkundeten wir die Puente del Diablo - die Brücke des Teufels - eine natürliche Felsenbrücke, die vom Fluss über Jahrtausende unterspült wurde und heute eine eindrucksvolle Gesteinsformation bildet.










Unsere Reise führte uns weiter nach Norden, doch die nächtlichen Regenfälle hatten ihre Spuren hinterlassen: Die Flüsse waren angeschwollen, und der lehmige Boden verwandelte sich in eine tückische Schlammstrecke. Zwei Wasserdurchquerungen meisterten wir noch mit klopfendem Herzen, doch an der dritten mussten wir kapitulieren – das Wasser hatte eine 70 cm tiefe Steilkante in den steinigen Untergrund gespült.







Als Alternative nahmen wir die Ruta 33, die uns in weiten Serpentinen auf 3.500 m Höhe über einen Bergkamm in Richtung Salta führte. Hier wurde der Einfluss des Gebirges auf das Klima besonders deutlich: Während die Berge zuvor trocken und von Kakteen bewachsen waren, sorgten die geographischen Gegebenheiten hier für feuchtere Luft und regelmäßige Niederschläge – und damit für saftig grüne Hügel. Ein faszinierendes Naturphänomen, das uns sehr beeindruckte.




Über die Ruta 9 setzten wir schließlich unsere Reise Richtung Norden fort – unser Ziel: die bolivianische Grenze. Unterwegs machten wir am 18. Februar Halt für eine Wanderung zur … wie könnte es anders sein … Puente del Diablo. Die Landschaft hier ist schlicht atemberaubend – so etwas hatten wir noch nie gesehen. Auf 4.000 m Höhe bot sich uns ein spektakulärer Ausblick über die weite Hochebene und die leuchtend bunten Berge. Doch die Höhe hatte ihren Preis: Die dünne Luft machte sich mit jedem Schritt bemerkbar – ein gutes Höhentraining für das, was uns nun in Bolivien erwarten wird.









Denn gestern erreichten wir schließlich die Grenze zwischen La Quiaca und Villazón. Wie so oft gestaltete sich die Überquerung unnötig kompliziert, und die Beamten vor Ort schienen selbst nicht so recht zu wissen, was zu tun war.
Nun heißt es für uns wieder einmal warten auf benötigte Ersatzteile. Doch wir bleiben optimistisch, dass wir unsere Reise schon bald fortsetzen und dieses faszinierende Land erkunden können, in dem über 60 % der Meschen zur indigenen Bevölkerung gehören und Taditionen stark verankert sind.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.032 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 28.964 km
Zeitverschiebung: 5 h (zurück)

12.02.2025
Immer noch kein Glück mit Monti
Nachdem wir Realicó verlassen hatten, fuhren wir weiter in Richtung Córdoba. Leider tauchte auf dem Weg in die Großstadt erneut das alte Problem mit Monti auf. Dennoch setzten wir unsere Reise in kleineren Etappen fort und verbrachten die Nacht am Lago Los Molinos, wo wir am Morgen von einer Pferdeherde geweckt wurden. Am 29.01. erreichten wir schließlich unser Ziel.



Córdoba hat eine wirklich schöne Innenstadt mit einer grünen Fußgängerzone, großen Plätzen und beeindruckenden Kirchen. Vor Ort ließen wir unsere Drohne reparieren und kauften ein neues Zelt, um bald wieder eine Wanderung mit Übernachtung zu planen.






Von dort aus ging es weiter Richtung Norden, und wir durchquerten den Ort Caminiaga. Dort verbrachten wir zwei Nächte am Río Los Tártagos und besuchten am Samstag, dem 01.02., das Fest des örtlichen Schutzpatrons. In diesem kleinen 250-Seelen-Dorf ist die argentinische Kultur tief verwurzelt. Selbst am Tag, bei einem gemütlichen Asado, werden zu traditioneller Musik Folkloretänze getanzt. Die Kinder und Jugendlichen treffen sich nicht mit dem Fahrrad, sondern zu Pferd am Fluss, um sich abzukühlen.


Weiter ging es in die Stadt La Rioja, in der Hoffnung, dort die nötigen Ersatzteile zu erhalten. Doch nach sechs Tagen Warten in der drückenden Hitze mit über 40 Grad hatten wir keinen Erfolg. Also setzten wir unsere Reise fort, in der Erwartung, in einer größeren Stadt fündig zu werden. Doch auch in San Miguel de Tucumán, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, kamen wir nicht weiter. Zwar konnten wir das Problem genauer eingrenzen, doch mussten wir akzeptieren, dass es in Argentinien keine passenden Ersatzteile für unser Fahrzeug gibt.



Nun werden wir die Reise nach Bolivien fortsetzen, da wir dort besseren Zugang zu Ersatzteilen haben. Drückt uns die Daumen, dass Monti bis dahin durchhält!
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.561 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 27.932 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

25.01.2025
Pannen, Begegnungen und ein Fest im Regen
Vom Rio Colorado führte uns die Straße schnurgerade durch die endlose Weite der Provinz La Pampa. Unter der sengenden Sonne erstreckten sich auf beiden Seiten riesige Felder voller Sonnenblumen, deren leuchtend gelbe Köpfe den Horizont säumten. Der Wind trug den warmen Duft der Blüten mit sich und wehte durch die offenen Fenster unseres Wagens, während wir weiter Richtung Norden fuhren.


Doch dann begann unser treuer Monti plötzlich zu schwächeln. Immer wieder verlor er während der Fahrt an Leistung. Die erste Werkstatt, in der wir Halt machten, wies uns kurzerhand ab, die zweite diagnostizierte einen verstopften Katalysator und vermittelte uns direkt weiter. Doch in typischer argentinischer Manier hieß es dort: Kein Katalysator - Kein Problem. Mit neuer Hoffnung – und ohne Katalysator – ging es zurück auf die Straße.
Leider war die Freude nur von kurzer Dauer. Nach knapp 140 Kilometern trat das Problem erneut auf, und wir mussten die nächste Werkstatt ansteuern. Doch dort war niemand anzutreffen, und auch bei der darauffolgenden Werkstatt konnten oder wollten sie uns nicht helfen. Schließlich fanden wir in Realicó eine Werkstatt, die sich dem Problem annahm.



Nach ein paar Tagen stellte sich heraus: Der Luftmassensensor war defekt. Während wir auf die Ersatzteile warteten, wurden wir von unseren Gastgebern Cristian und Yesica herzlich aufgenommen. Sie halfen uns, die heißen Tage so angenehm wie möglich zu gestalten. Bei Yesica konnten wir regelmäßig duschen, und sie organisierte Fahrräder, damit wir ins örtliche Schwimmbad fahren konnten.
Am Samstag, dem 18. Januar, erlebten wir ein besonderes Highlight: das 51. Fiesta Nacional del Caballo y la Tradición. Dieses Fest feiert seit 1973 die Reitkultur und die ländlichen Traditionen Argentiniens. Durch Cristian bekamen wir einen Zugang zu den Einheimischen, wie wir ihn bisher noch nicht erlebt hatten. Die Argentinier sind offen und herzlich, und sie reden mit Fremden, als wären es alte Bekannte.
Zum ersten Mal wagten wir uns an den traditionellen Folkloretanz. Trotz des anhaltenden Regens hatten wir viel Spaß, lachten und tanzten bis spät in die Nacht.


Gestern Abend wurde ein traditionelles Asado veranstaltet. Ein großes Stück Rind wurde langsam über der Glut gegrillt und anschließend in Streifen mit Baguette gegessen. Irgendwann tauchte eine Gitarre auf, und gemeinsam mit den anderen spielten wir Musik und genossen die entspannte Atmosphäre.


Wenn morgen hoffentlich die Reparatur abgeschlossen ist, können wir die Reise fortsetzen. Wir hoffen, dass Monti uns ab jetzt treu begleitet – und dass die nächsten Abenteuer ohne Werkstattbesuche auskommen.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 573 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 26.371 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

14.01.2025
Ein schlechter Start ins neue Jahr
Am 02.01. verließen wir Punta Arenas in südlicher Richtung und fanden einen schönen Übernachtungsplatz am Río Juan. Doch dieser Fluss brachte uns leider kein Glück: Am späten Abend verletzte sich Timo am Ufer und renkte sich die Schulter aus. Dank der Hilfe eines brasilianischen Paars kamen wir schnellstmöglich in das 60 km entfernte Krankenhaus, wo nach zwei Stunden Schmerzen die Schulter endlich wieder eingerenkt wurde. Gegen zwei Uhr morgens konnten wir uns auf den Heimweg machen.


Unsere ursprünglichen Pläne durchkreuzt, fuhren wir wieder nordostwärts. Nach einer Nacht in der Nähe von San Gregorio überquerten wir am Sonntag, dem 05.01., erfolgreich die argentinische Grenze.




Von da an folgten wir der Atlantikküste mehrere hundert Kilometer in Richtung Norden. Wir übernachteten an der Küste bei Caleta Olivia an einem einsamen und geschützten Ort am Wasser und verbrachten zwei Nächte in einer Bucht bei Camarones, die einen der wenigen Sandstrände dieses Küstenabschnitts bot. Schließlich erreichten wir San Antonio Oeste, wo wir uns vom Meer verabschiedeten und weiter ins Landesinnere fuhren.





Dort fanden wir einen wunderschönen Ort am Río Negro, wo wir nach hunderten Kilometern endlich wieder einen Platz zwischen Bäumen entdeckten. Da die Temperaturen in den kommenden Tagen die 40-Grad-Marke übersteigen sollten, nutzten wir die Gelegenheit, die Hitzewelle am kühlen Wasser auszusitzen.


Gestern brachen wir von dort auf und folgten der Straße weiter Richtung Córdoba. Die Nacht verbrachten wir am Río Colorado, am Rande der gleichnamigen Stadt.
Wir hoffen, dass Timo sich in den nächsten zwei Wochen so weit erholt, dass wir mit den ersten Aktivitäten wieder starten können.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 2.315 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 25.798 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

01.01.2025
¡Feliz Año Nuevo!
Am Freitag, dem 27.12., verließen wir El Calafate und machten uns wieder auf den Weg in die Berge. Bevor wir unsere Reise südwärts fortsetzten, wollten wir noch den nahegelegenen Gletscher Perito Moreno besichtigen – einer der größten Gletscher des patagonischen Eisfeldes. Gigantisch erstreckt sich seine Gletscherzunge in den Lago Argentino.
Vom Gipfel des Cerro Cristal bewunderten wir den Anblick des Gletschers und seiner Umgebung. Auf dem Weg nach oben begegneten wir einem Stinktier und einer Herde Guanakos.







Von hier aus lagen viele weitere Kilometer südwärts vor uns, bis wir mit der Fähre nach Feuerland übersetzten. Doch wir blieben zunächst auf chilenischem Boden. An der Grenze zu Argentinien hatten wir diesmal kein Glück – uns wurde die Einreise verweigert. Nach einiger Überlegung kamen wir zu dem Schluss, dass ein erneuter Versuch an einem anderen Tag nicht machbar wäre. Unser erklärtes Ziel, Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, war somit leider außer Reichweite.

Noch am selben Tag, dem 30.12., setzten wir wieder auf das Festland über, folgten der Straße Richtung Westen und planten, Silvester in Punta Arenas, einer Stadt an der Magellanstraße, zu verbringen.
Obwohl wir extra eine Unterkunft im Zentrum gewählt hatten, war die Stadt am Silvesterabend wie ausgestorben – keine offenen Bars, keine feiernden Menschen auf den Straßen, und um Mitternacht erhellte nicht eine einzige Rakete den Nachthimmel.



Das Jahr 2024 liegt nun hinter uns und hat Unglaubliches für uns bereitgehalten. Wir haben fantastische Orte gesehen, wilde Tiere beobachtet und sind tausende Kilometer durch unterschiedlichste Länder gereist – entlang hoher Berge, weiter Seen und durch dichten Dschungel.
Wir freuen uns auf alles, was noch vor uns liegt.
Euch wünschen wir alles Liebe und Gute für das neue Jahr – möge es nur das Beste für euch bereithalten!
Danke für eure Unterstützung und wie immer sagen wir: Bis bald!
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.124 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 23.483 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

16.12.2024
¡Feliz Navidad!
Nachdem wir Coyhaique verließen, führte uns die Carretera Austral über staubige Schotterpisten weiter südwärts – vorbei an tiefblauen Seen und gewaltigen Bergen, darunter der markante Cerro Castillo.





Kurz bevor wir uns bei Aldana nach Osten wandten, unternahmen wir eine Wanderung durch die Hügel entlang des Lago Negro. Wie der Name vermuten lässt, ist dieser See auffallend dunkel – ein starker Kontrast zu den türkisfarbenen Gewässern der Umgebung.



Auf dem Weg zur argentinischen Grenze und darüber hinaus fuhren wir 230 Kilometer über die Uferstraße entlang des Lago General Carrera. Da der See die Grenze zwischen Chile und Argentinien überschreitet, trägt er dort den Namen Lago Buenos Aires.

In Argentinien ließen wir das Gebirge hinter uns und fuhren hinaus in die unendlichen Ebenen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Perito Moreno wandten wir uns wieder nach Süden. Über 600 Kilometer durchquerten wir menschenleeres Land, durchzogen von Dornenbüschen und Sträuchern. Kaum ein Hügel oder Baum bot Schutz vor dem ständigen Wind, der unermüdlich über die Weiten fegte.
Zur Rechten begleitete uns das majestätische Gebirge – ein Anblick, der uns die gesamte Fahrt hindurch faszinierte. Während die karge Landschaft für Landwirtschaft und Weidehaltung ungeeignet scheint, bietet sie dennoch zahlreichen Wildtieren einen Lebensraum. Immer wieder kreuzten Guanakos unseren Weg, und Nandus streiften durch das trockene Gras. In der Dämmerung erblickten wir einen Andenschakal, der auf der Jagd nach südamerikanischen Zwergmeerschweinchen durch das Gestrüpp schlich.





Zu Weihnachten erreichten wir El Calafate am Lago Argentino und verbrachten die Feiertage in einem kleinen Häuschen am Stadtrand. Mit köstlichem Rinderbraten und gutem chilenischen Wein machten wir es uns gemütlich und genossen die Ruhe.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.263 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 22.359 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

16.12.2024
Die Insel der Pinguine
Vom Meer her weht der Wind über das Watt, durchzogen von Muscheln, Schnecken und Algen, und lässt die Möwen elegant auf seinen Böen gleiten. An den steilen Felsklippen brüten Wasservögel und ziehen ihren Nachwuchs groß. In den grünen Hügeln weiden frei laufende Pferde, Kühe, Schafe und Alpakas. In den Hafenstädten mischt sich der würzige Geruch der anlegenden Kutter mit der salzigen Meeresluft und durchzieht die Straßen.







Die Insel Chiloé ist mit 8.394 km² die zweitgrößte Insel Chiles und erstreckt sich entlang der Pazifikküste. Obwohl sie nur etwa drei Kilometer vom Festland entfernt liegt, ist sie ausschließlich mit der Fähre erreichbar. Wir legten in Chacao an und verbrachten unsere erste Nacht an der Steilküste am nordwestlichsten Punkt der Insel. Von dort aus wanderten wir durch die bewachsenen Hügel und besichtigten den Leuchtturm Faro Punta Corona, ein Stützpunkt der chilenischen Marine, in dem auch ein kleines Museum untergebracht ist.



Unsere Reise führte uns weiter südwärts nach Puñihuil, wo wir die einzigartigen Magellan- und Humboldt-Pinguine beobachten konnten, die auf den küstennahen Inseln leben.






Am Dienstag, dem 10.12., fuhren wir weiter zum Nationalpark Chiloé. Die Landschaft des Parks hat uns zwar nicht sonderlich begeistert, doch das dazugehörige Museum bot uns einen spannenden Einblick in die Lebensweise der indigenen Bevölkerung Chiles. Wir erfuhren, wie sie aus einfachsten Materialien Transporthilfen, Werkzeuge und Musikinstrumente herstellten.



An unserem letzten Tag auf der Insel besuchten wir den Wasserfall Cascadas de Tocoihue und die Insel Aucar, die über eine 30 Meter lange Brücke erreichbar ist. Auf Aucar steht eine der vielen Holzkirchen aus Zypressenholz, die im 17. und 18. Jahrhundert von spanischen Missionaren errichtet wurden.




Nachdem wir Chiloé verlassen hatten, führte uns die Ruta 5 zurück nach Puerto Montt und von dort weiter nach Süden über die Ruta 7. Hier prägen Fjorde die Küstenlandschaft, die tief in das Bergmassiv der Anden hineinragen. Da Küste und Gebirge hier aufeinandertreffen, gibt es keine durchgehenden Straßen, sodass wir auf mehrere Fähren angewiesen waren. Der Anblick der Berge vom Wasser aus war unvergesslich.
Einen besonders schönen Ort fanden wir am Oeste River. Dort konnten wir Wikingerschach spielen, Stockbrot über dem Lagerfeuer backen und uns im Sand sonnenbaden – alles mutterseelenallein inmitten der hohen Berge.



Am 14.12. besichtigten wir den Nationalpark Queulat und seinen berühmten hängenden Gletscher – ein wirklich beeindruckender Anblick.


Gestern sind wir viele Kilometer weiter südwärts gefahren und haben die Stadt Coyhaique erreicht. Nun befinden wir uns am Rand dieser rund 50.000 Einwohner großen Stadt.
In den kommenden Tagen werden wir erneut die argentinische Grenze überqueren, um Weihnachten in El Calafate zu verbringen.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.062 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 21.096 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

08.12.2024
Akrobaten der Meere
Am Dienstag, dem 3. Dezember, verließen wir den Lago Rupanco und orientierten uns weiter südwestwärts. Unser nächster Halt war der Lago Llanquihue, ein beeindruckender See mit Blick auf die Vulkane Osorno und Calbuco. Ihre weißen Gipfel ragen wie Zuckerhüte aus der blau-grünen Ebene empor.

Auf dem Weg ans Meer fuhren wir durch Puerto Montt, wo wir einige Dinge besorgten, wie beispielsweise neue Scheibenwischer.
Am 5. Dezember erreichten wir den Golf von Ancud und verbrachten an dessen Ufern zwei Nächte. Der Fisch- und Muschelreichtum des Gewässers lockt nicht nur Fischer, sondern auch zahlreiche Seehunde und Delfine an. Mit beeindruckender Leichtigkeit gleiten sie durch das Wasser, springen aus den Wellen und zeigen ihre Geschicklichkeit bei der Jagd.



Gestern setzten wir mit der Fähre über den Kanal von Chacao auf die Isla Grande de Chiloé über und freuen uns nun darauf, die beeindruckende Natur dieser besonderen Insel zu erkunden.






Zudem freuen wir uns sehr darüber, dass Fritz wohlbehalten in Wickede angekommen ist. Ein herzliches Dankeschön für die tatkräftige Unterstützung von Zuhause!
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 423 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 20.034 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

02.12.2024
Und plötzlich Schnee
Nachdem wir uns erholt hatten, unternahmen wir am 24.11. eine Wanderung im Gebiet des Vulkans Villarrica. Der Weg führte uns entlang des Río Turbio über schwarzes Vulkangestein, vorbei an tosenden Wasserfällen und nebelverhangenen Bergen.





Von dort aus setzten wir unsere Reise in Richtung der argentinischen Grenze fort. Kurz davor fanden wir einen idyllischen Platz am Río Puesco. Trotz häufender Regenfälle ließen wir uns nicht davon abhalten, die beeindruckende Landschaft zu erkunden. Unsere Wanderung führte uns noch im Sonnenschein vorbei an der Laguna Perdida und der Laguna Huerfúica hinauf in die Berge. Die Luft wurde zunehmend eisiger, bis wir schließlich den ersten Schritt in den Schnee setzten. Aufgrund eines herannahenden Schneesturms mussten wir kurz vor unserem eigentlichen Ziel, der Laguna Verde, umkehren. Das zeigte uns einmal mehr, wie unberechenbar das Wetter in den Bergen sein kann









Am 26.11. überquerten wir die Grenze nach Argentinien und fuhren weiter ostwärts zum Lago Lolog nahe der Stadt San Martín de los Andes. Am folgenden Tag, dem 27.11., besichtigten wir die Stadt und verbrachten die Nacht am Río Hermoso.



Unsere erste Nacht auf einem Campingplatz in Südamerika verbrachten wir am Brazo Rincón, einem Arm des gleichnamigen Sees. Am 29.11. überquerten wir erneut die Grenze nach Chile. Wie wir bereits gelesen hatten, ist dieser Grenzübergang oft aufwendig. Nach zwei Stunden, vier Stationen, einer Autodurchsuchung und dem Einsatz eines Spürhundes waren wir schließlich wieder in Chile.
Unser Weg führte uns in den Nationalpark Puyehue, ins Tal zwischen den Vulkanen Casablanca und Antillanca. Hier blieben wir zwei Nächte und nutzten die Tage, um in den Bergen zu wandern.




Weiter ging es in die Ausläufer der Anden nach Osorno, wo wir einige Besorgungen erledigten. Aktuell befinden wir uns etwa 50 Kilometer südöstlich der Stadt und planen in den nächsten Tagen die Fahrt zur Isla Grande de Chiloé.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 643 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 19.611 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

23.11.2024
Zurück in der WIldnis
Am Freitag, dem 15.11., verließen wir mit unserem neuen Wagen Santiago de Chile und fuhren über die Ruta 5 Richtung Süden bis zum Río Tinguiririca. In der Nähe der Stadt Lo Moscoso fanden wir an den Ufern des Flusses einen geeigneten Platz für unsere erste Nacht. Dort räumten wir den Wagen komplett aus, sortierten alles neu und packten es wieder ein. Als wir fertig waren, war die wärmende Sonne bereits untergegangen, und ein Vollmond erhob sich im Nordosten über uns.

Am nächsten Tag führte uns die Straße nach Westen zur Pazifikküste. Zwischen gelb bewachsenen Hügeln, die zahlreichen Vögeln und kleinen Nagetieren ein Zuhause bieten, fanden wir einen geschützten Platz für die Nacht. Viel Zeit am Meer konnten wir jedoch nicht verbringen, da der starke Wind den Sand wie Nadelstiche auf unserer Haut wirken ließ.



Am Sonntag ging es wieder südöstlich ins Landesinnere, in Richtung der Berge. Nahe der Autobahn bei San Gregorio verbrachten wir die Nacht am Río Perquilauquén. Das kalte Wasser bot uns eine erfrischende Abkühlung, die Möglichkeit, unsere Wasserreserven aufzufüllen, und eine Gelegenheit uns zu waschen.


Von dort aus folgten wir der Ruta 5 am Sonntag etwa 430 Kilometer entlang der Andenkette bis nach Pucón. Die Stadt liegt im Gebiet des Vulkans Villarrica, der mit einer Höhe von 2.847 Metern und schneebedeckten Berghängen einen beeindruckenden Anblick bietet. Der Vulkan, einer der aktivsten Chiles, brach zuletzt 2019 aus. Unsere Nacht verbrachten wir am Río Correntoso, der sich in einem kräftigen Blau durch ein goldenes Blütenmeer schlängelt.


Leider wurden unsere Pläne am Montagabend durch eine Magen-Darm-Erkrankung durchkreuzt. Da dies im Dachzelt keine angenehme Situation ist, mieteten wir uns für fünf Nächte eine Unterkunft in der Nähe.
Morgen kehren wir zu unserem Platz am Fluss zurück und beginnen von dort aus, die Natur rund um den Vulkan Villarrica zu erkunden.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 940 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): ≈ 18.968 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)

14.11.2024
Willkommen in Chile
Am Donnerstag, dem 07.11., flogen wir nach Lima, der Hauptstadt Perus. Da unser Anschlussflug nach Santiago de Chile überbucht war, mussten wir unerwartet eine Nacht in dieser Großstadt verbringen. Nach einigem Hin und Her stellte uns die Fluggesellschaft schließlich einen Transport zu einem Hotel zur Verfügung. Auf der etwa dreißigminütigen Fahrt durch vermüllte und wenig einladende Viertel befürchteten wir bereits das Schlimmste – doch schließlich bog der Fahrer auf eine Hauptstraße ein und hielt vor einem luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel. Erleichtert stiegen wir aus, während die Pagen uns die Türen öffneten und unser Gepäck entgegennahmen. So verbrachten wir eine angenehme Nacht und genossen ein unerwartetes Frühstück. Am Morgen wurden wir von der Fluggesellschaft abgeholt und konnten unsere Reise fortsetzen.
Um 15 Uhr Ortszeit landeten wir in Santiago, der Hauptstadt Chiles – der modernsten und mit 6,86 Millionen Einwohnern auch der größten Stadt Südamerikas. Am Samstag besuchten wir das Castillo Hidalgo, eine Anhöhe im Zentrum, von der aus man eine atemberaubende Aussicht über die Stadt genießen kann. Wie jede Großstadt hat Santiago sowohl schöne als auch weniger schöne Seiten, doch waren wir überrascht von den vielen Parks und historischen Gebäuden. Hier spürt man das pulsierende Leben, das wir aus Köln oder Berlin kennen. Es gibt einem ein vertrautes Gefühl und zeigt erneut: Menschen sind überall auf der Welt ähnlich.





Am Montag konnten wir unsere chilenische Steuernummer, die RUT, beantragen, und damit waren wir endlich in der Lage, heute unser Auto zu kaufen. Mit „Monti“, einem Mitsubishi-Allrad-SUV, ist unser Trio nun wieder komplett. Auch wenn Fritz immer unsere Nummer eins bleibt, hoffen wir, dass uns Monti gut durch die Berge Südamerikas bringt. Morgen rüsten wir ihn noch mit einem zusätzlichen Dachzelt aus, und dann beginnt endlich unser neues Abenteuer in Südamerika.
Wir freuen uns sehr darauf, bald wieder in die Wildnis aufzubrechen!

Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ - km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 18.028 km
Zeitverschiebung: 4 h (zurück)
05.11.2024
Im Dschungelfieber
Am Sonntag, dem 4. November, wanderten wir von unserer Unterkunft aus zum Playa la Macha, einer versteckten Bucht, die nur über einen schmalen Pfad durch den Dschungel erreichbar ist. Entlang der atemberaubenden Küste führte uns der Coastal Trail weiter durch dichten Wald, über kleine Flüsse und an steilen Klippen entlang bis zum Playa La Paipa. Zurück an unserer Unterkunft entdeckten wir noch einige Aras in einem Baum in der Ferne.










Am Montag besuchten wir den nahegelegenen Nationalpark Manuel Antonio – ein faszinierender Ort, an dem das Meer auf die felsige Landzunge Punta Catedral trifft, eingerahmt von weißen Stränden. Der Park umfasst zudem zwölf Inseln, die Zuflucht für verschiedene Meeresvögel bieten. Auf unserer Tour konnten wir viele Tiere beobachten, doch sie vor die Kamera zu bekommen, bleibt oft eine Herausforderung.







Morgen geht es für uns zurück in Richtung San José. Bevor wir die Stadt erreichen, haben wir noch eine Übernachtung in Concepción geplant. In unserem nächsten Beitrag berichten wir dann, wie es in Südamerika weitergehen soll.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 25 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 18.028 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

03.11.2024
In die Mangroven
Am Freitag, dem 28.10., ging unsere Reise weiter in den kleinen Ort Garza. Dort checkten wir in eine charmante Bambushütte direkt am Strand ein. Mit den Füßen im warmen Sand unter den Kokospalmen ließen wir die Sonne Costa Ricas auf uns wirken und genossen die Ruhe des Ortes.



Von unseren Gastgebern konnten wir ein Kajak ausleihen, mit dem wir am Sonntagmorgen in die nahegelegenen Mangroven paddelten. Der Dschungel strahlte eine Wildheit aus, wie man sie nur selten erlebt. Umgeben von üppiger Vegetation und exotischen Geräuschen entdeckten wir eine Vielzahl an Tieren. Glücklicherweise blieben uns die prophezeiten Krokodile jedoch erspart.





Nach unserer Dschungeltour führte uns der Weg weiter in den lebhaften Ort Jacó. Von unserem Tiny Haus aus machten wir uns auf zu einer Wanderung zur verlassenen Villa Mirador, die tief im dichten Dschungel liegt. Einige Kilometer vom Ort entfernt entdeckten wir die verfallene Villa – ein geheimnisvoller Ort, über den nicht viel bekannt ist. Einheimische erzählen, dass das Gebäude nie fertiggestellt wurde und die Natur nun langsam ihr Reich zurückerobert.






Die Wanderungen in Costa Rica bringen neue Herausforderungen mit sich, die das tropische Klima und die Wildnis bereithalten – doch gerade das macht das Erlebnis unvergesslich.




Gestern setzten wir unsere Reise nach Osten fort, in Richtung Manuel Antonio, nahe dem gleichnamigen Nationalpark. Die Gegend beeindruckte uns sofort mit ihrer wunderschönen Natur: raue Klippen, weiße Strände und ein faszinierender, dichter Urwald.

Heute starten wir mit einer kleinen Tour zum Playa La Macha, einem abgelegenen Strand, der für seine besondere Atmosphäre bekannt ist. Bis zu unserem Weiterflug nach Chile in vier Tagen hoffen wir, hier noch einige unvergessliche Erlebnisse sammeln zu können.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 746 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 18.003 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

27.10.2024
"Mehr Dampf"
Am Freitag, dem 25.10., erkundeten wir den Místico Arenal Hängebrückenpark, der uns – begleitet von reichlich Regen – über vier große Brücken durch das grüne Blätterdach des Dschungels führte.




Zurück in unserer Unterkunft bot sich uns noch einmal die Gelegenheit, weitere Tiere zu beobachten.



Am Samstag ging es in den kleinen, landwirtschaftlich geprägten Ort Brasilia im Nordwesten. Dort gibt es kaum Tourismus; die Menschen leben von dem, was sie und ihre Nachbarn anbauen und züchten. Unsere Gastgeber gaben uns wertvolle Einblicke in das einfache Leben der costaricanischen Bevölkerung, ihre Nahrungsmittel und Lebensweisen. Colo führte uns durch sein Land mit Gemüsefeldern und stellte uns seinen Brüdern vor, die Ziegen, Schweine, Hühner halten und sogar eine kleine Fischzucht betreiben. Für diese einmalige Erfahrung sind wir sehr dankbar.









Heute stand der Rincón de la Vieja Nationalpark auf dem Programm, ein spektakuläres Naturgebiet rund um den gleichnamigen Vulkan. Auf 140 Quadratkilometern erstreckt sich eine einzigartige Landschaft mit dichtem Regenwald, heißen Quellen, brodelnden Schlammlöchern und Wasserfällen. Die vulkanische Aktivität zeigt sich beeindruckend in Fumarolen und Geysiren.








Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 396 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 17.257 km
Zeitverschiebung: 7 h (zurück)
Morgen geht es weiter zur Pazifikküste, wo uns einige erholsame Tage am Strand erwarten.

24.10.2024
Welcome to the jungle
Am Abend des 19.10.2024 luden uns Mark und Angela ein letztes Mal zum Abschied ein – dieses Mal zu einem mexikanischen Essen. Da wir Mexiko leider nicht wie geplant bereisen werden, wollten wir zumindest die Küche noch etwas besser kennenlernen.
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von unseren Gastgebern und machten uns auf den langen Weg nach Houston. Die letzte Nacht in Fritz verbrachten wir ziemlich schlaflos auf einem Walmart-Parkplatz.
Am Hafen von Galveston hieß es dann Abschied nehmen – das fiel uns nicht leicht, aber wir wissen, dass es die richtige Entscheidung war. Fritz steht nun am Hafen und wartet darauf, am 28.10. in See zu stechen. Wir wünschen ihm eine gute Reise und freuen uns darauf, ihn in sieben Monaten wiederzusehen.
Anschließend ging es für uns zurück in die Großstadt, wo wir die Nacht in einem Airbnb in der Nähe des Flughafens verbrachten. Am Dienstag, dem 22.10., um 16:35 Uhr war es soweit: Wir ließen die USA hinter uns.



Einige Stunden später landeten wir in San José, der Hauptstadt von Costa Rica. Nach der trockenen Luft der Südstaaten erfordert das tropische Klima hier etwas Eingewöhnung.
Am Mittwoch fuhren wir mit unserem Mietwagen von San José in die kleine Stadt La Fortuna, am Fuße des Arenal, einer der aktivsten Vulkane der Welt. Umgeben von üppigem Regenwald, bieten die Region und der Nationalpark Wanderwege, heiße Quellen und eine reiche Tierwelt. Seinen letzten starken Ausbruch hatte der Vulkan im Jahr 2010, und bis heute fließen gelegentlich Lavaströme den Berghang hinab.
Heute starteten wir den Tag mit einem traditionellen costaricanischen Frühstück und unternahmen unsere erste Wanderung durch den Dschungel des Parque Nacional Volcán Arenal, wo wir bereits viele Tiere beobachten konnten.









Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.091 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 16.861 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

18.10.2024
Ein verfrühter Abschied
Am 20.09. verließen wir den Mathers Campground, jedoch noch nicht den Grand Canyon National Park. Wegen eines schon länger tropfenden Kühlers fuhren wir zu einer Autowerkstatt im Grand Canyon Village.




Alle genauen Details und nervenaufreibenden Momente möchten wir euch und uns hier ersparen. Nach drei Wochen Aufenthalt auf dem Garagenhof und einer nicht zufriedenstellenden Lösung führte uns die vormalige Route 66 etwa 1.500 km Richtung Osten. Dabei verließen wir Arizona, durchquerten New Mexico und Texas und erreichten schließlich das kleine Dorf Tuttle im Bundesstaat Oklahoma.

Dort steuerten wir das Baumgartner's VW Krankenhaus an und trafen das bezaubernde Paar Mark und Angela. Nicht nur konnten sie innerhalb kürzester Zeit unsere Probleme mit Fritz analysieren und beheben, sie luden uns am 17.10. auch in eines der berühmtesten Steakhäuser Oklahomas ein – das Cattlemen's Cafe.


Die Gastfreundschaft, die wir hier erleben, ist wirklich überwältigend.


Bereits nach unserem Aufenthalt in Las Vegas hatten wir entschieden, Fritz nach Hause zu schicken. Zum einen befürchten wir, dass er den rauen Straßen Südamerikas nicht gewachsen ist, und zum anderen könnte sich ein Rücktransport nach Deutschland später als sehr herausfordernd erweisen. Damit wir auch in den kommenden Jahren noch viel Freude an ihm haben, möchten wir ihm nach über vier Monaten und 15.000 gefahrenen Kilometern nun eine wohlverdiente Ruhepause gönnen.
Am 21.10. werden wir Fritz am Hafen in Galveston abgeben und am folgenden Tag nach Costa Rica fliegen.
Freut euch auf viele neue und spannende Eindrücke!
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.578 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 15.770 km
Zeitverschiebung: 7 h (zurück)

20.09.2024
Canyon³
Am Mittwoch, den 11.09., wanderten wir vom Sunset Point hinab in den Bryce Canyon. Die Gesteinsformationen, genannt Hoodoos, erinnern an die Tropfsandburgen unserer Kindheit. Es ist kaum zu begreifen, dass die vielen Türme mit ihren Säulen und Zinnen nicht von Menschenhand erschaffen wurden.




Am 13.09. fuhren wir weiter zum Lake Powell im Glen Canyon. Dort verbrachten wir insgesamt drei entspannte Tage am Lone Rock Beach. Viel gibt es von dieser Zeit nicht zu berichten – hauptsächlich kühlten wir uns im Wasser ab und suchten Schutz vor der drückenden Hitze.



Am Nachmittag des 16.09. machten wir uns auf den Weg Richtung Grand Canyon. Kurz nach der Grenze zu Arizona hielten wir am berühmten Horseshoe Bend – einer hufeisenförmigen Schleife des Colorado Rivers. Vom Rand der Klippen aus kann man 300 Meter tief hinab auf den Fluss blicken. Erst, wenn man die winzigen Kanus am Flussufer entdeckt, bekommt man ein Gefühl für die schiere Größe dieses Ortes. Leider ist auch dieser Punkt, wie zu erwarten, von Touristen überlaufen.



Am nächsten Morgen fuhren wir weiter in den Grand Canyon Nationalpark zum Mathers Campground. Wie auch im Bryce Canyon sind wir hier wieder Hirschen begegnet.


Wenn man den oberen Rim Trail entlang des Canyons wandert, fühlt es sich an, als ob man an einer riesigen Leinwand vorbeigeht – die Landschaft scheint sich nicht zu bewegen, denn die Dimensionen sind für den menschlichen Geist kaum greifbar. Diese gewaltige Schlucht, über Jahrmillionen vom Colorado River in das Plateau gegraben, erstreckt sich über 450 Kilometer.



Im Canyon selbst leben noch heute Mitglieder der elf indigenen Stämmen, die diesen Ort ihre Heimat nennen. Wir fragten uns, wie diese Menschen in einem scheinbar leblosen Land überleben können. Doch als wir am Dienstag unseren Abstieg in den Canyon begannen, wurde schnell klar, dass dieses Land alles andere als tot ist. Was aus der Ferne karg erscheint, entpuppt sich beim Näherkommen als lebendige Welt mit Wäldern und Bächen, die sich ihren Weg die Felsen hinab zum Colorado River bahnen. Über uns kreisten kalifornische Kondore, während Murmeltiere und Echsen durchs Unterholz huschten.

Schon vor Beginn unserer Reise wussten wir, dass wir eine Nacht im Canyon verbringen wollten. Im Havasupai Garden schlugen wir unser Zelt auf, einer echten Oase inmitten der aufragenden Gesteinsschichten, die die Geschichte des Canyons erzählen.
Als wir am nächsten Morgen unseren Aufstieg begannen, ging im Osten die Sonne auf und tauchte die Landschaft in das goldene Licht eines neuen Tages.






Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 776 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 14.192 km
Zeitverschiebung: 9 h (zurück)

10.09.2024
Der Wilde Westen
Am Dienstag, den 03.09., fuhren wir mit dem Shuttlebus in die Stadt San Francisco. Dank des Muni CityPasses konnten wir den ganzen Tag über alle Verkehrsmittel innerhalb der Stadt nutzen – darunter auch die historischen Cable Cars. Diese Freiheit erlaubte es uns, die schönsten Orte der Großstadt zu erkunden. Den Tag ließen wir mit einem Sonnenuntergang von der Golden Gate Bridge ausklingen. San Francisco hat uns wirklich gut gefallen!











Von dort aus ging es weiter Richtung Osten, in den Yosemite Nationalpark. Die Nacht von Donnerstag auf Freitag verbrachten wir im Camp 4. Der Park beeindruckt mit einer unglaublich faszinierenden Landschaft. Das Yosemite Valley erstreckt sich in einem grünen Tal, umgeben von hohen Felswänden. Aufgrund der heißen Temperaturen entschieden wir uns, bereits um 5 Uhr morgens aufzustehen und unsere Wanderung zum Yosemite Point noch im Dunkeln unter einem sternenklaren Himmel zu beginnen. Der Aufstieg entlang der Felswände wurde mit einem atemberaubenden Ausblick im Licht der aufgehenden Sonne belohnt.






Anschließend setzten wir unsere Reise Richtung Las Vegas fort und erreichten die Stadt am Samstag, den 07.09. Dort checkten wir im Hotel Silver Seven ein und erfrischten uns im Pool bei über 40 Grad im Schatten. Am Abend ließen wir uns vom Flair des Las Vegas Strips treiben. Doch ein bittersüßer Beigeschmack blieb, der nur schwer zu beschreiben ist.
Mitten in der toten Wüstenlandschaft erhebt sich diese leuchtende Stadt, deren Ränder von Armut, Kriminalität und Obdachlosigkeit geprägt sind – gescheiterte Existenzen. Überquert man jedoch die Grenze ins Innere der Stadt, ist das Gras grün und Palmen säumen die Straßen. Die Stadt strahlt in leuchtenden Farben und verspricht, dass alles möglich ist, denn der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wer das nötige Kleingeld hat, kann Unglaubliches erleben. Wie Motten werden die Menschen vom Licht der Stadt angezogen und bleiben in ihren Fängen. Doch wenn man den Blick vom Schein abwendet, sieht man ausdruckslose Gesichter, die auf flackernde Bildschirme starren, in der Hoffnung auf den versprochenen Gewinn. Geld einwerfen – Knopf drücken – ein Hamsterrad. Eltern, die glauben, dass diese Stadt eine gute Idee für einen Familienausflug sei, und Kinder, die lernen, dass alles nur ein Spiel ist. Wer verstehen will, was Las Vegas wirklich ist, muss selbst hinfahren. Ich wusste es vorher nicht. Die Stadt der Sünde trägt ihren Namen zurecht.






Am Sonntag fuhren wir weiter durch die Hitze Nevadas Richtung Zion Nationalpark in Utah. Kurz vor unserem Ziel übernachteten wir am Virgin River. Am Montag folgten wir seinem Ufer in den Park, der eine unglaublich vielfältige Landschaft bietet: Wüste, grüne Flussufer, Berge und Canyons.




Noch am selben Tag machten wir uns mit Fritz auf den Weg zum Bryce Canyon. Hier werden wir zwei weitere Nächte verbringen und es nach dem Trubel der letzten Woche etwas ruhiger angehen lassen.


Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.594 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 13.416 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

02.09.2024
Giganten einer anderen Zeit
Am Donnerstag, dem 29. August, fuhren wir zum Mill Creek Campground im Redwood Forest. Dieses Waldgebiet erstreckt sich entlang der gesamten kalifornischen Küste und gedeiht dort dank des feuchten Klimas. Vor 150 Millionen Jahren war ein Großteil der nördlichen Hemisphäre von diesen Mammutwäldern bedeckt. Die Küstenmammutbäume erreichen Höhen von über 100 Metern und werden bis zu 2.000 Jahre alt. Somit standen einige der sich hier befindenden Exemplare bereits zur Zeit der Römer und Maya. Diese Bäume sind die höchstwachsenden Lebewesen dieser Erde.

Voller Ehrfurcht wandert der Blick inmitten dieser Riesen einer anderen Zeit nach oben – rostrot schimmert die Rinde im Sonnenlicht. Oft stehen sie in Gruppen zusammen und ragen wie die Bündelpfeiler einer Kathedrale in den Himmel.


Im Jedediah Smith Redwoods State Park unternahmen wir eine Wanderung entlang des Mill Creeks und durchquerten die "Grove of Titans" bis zum Smith River, an dessen Ufern wir unsere Mittagspause verbrachten.


In den darauffolgenden Tagen folgten wir dem Highway 101 und 1 weiter Richtung Süden entlang der Küste. Die Straße schlängelte sich in Serpentinen durch tiefe, verwunschene Wälder und entlang steiler Felsklippen.




Am Montag, dem 2. September, erreichten wir den Muir Nationalpark und bestaunten erneut die ehrfurchtgebietenden Baumriesen.



Heute fuhren wir näher an San Francisco heran und verbringen die Nacht in den Ausläufern von Sausalito. Morgen überqueren wir mit dem Bus die Golden Gate Bridge, um die Großstadt zu besichtigen. Wir freuen uns darauf!
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.000 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 11.822 km
Zeitverschiebung: 9 h (zurück)

28.08.2024
Am westlichsten Punkt unserer Reise
Am Freitag, den 23. August, fuhren wir zum Vulkan Mount St. Helens. Dieser ist nur für Kletterer zugänglich, und aufgrund der tiefhängenden Wolkendecke blieb er für uns nicht sichtbar. Dennoch bot das umliegende Gelände einen beeindruckenden Ausblick. An den Ausläufern des Vulkans wanderten wir über felsige Geröllhänge aus Vulkanstein zum June Lake, der von mehreren Wasserfällen gespeist wird. Die sichtbaren Geröllfelder entstanden durch den gewaltigen Ausbruch im Jahr 1980, bei dem ein Teil des Bergmassivs abbrach und die Gesamthöhe des Berges um etwa 400 Meter reduzierte. Der Mount St. Helens ist mit einer Höhe von 2.539 Metern Teil des Pazifischen Feuerrings. Die letzte stärkere Aktivität wurde im Jahr 2008 gemessen.




Nach einer ruhigen Nacht am Fuße des Vulkans setzten wir unsere Fahrt in Richtung Portland fort. Da wir in der Umgebung keinen geeigneten Schlafplatz fanden, fuhren wir direkt weiter nach Südwesten in den Tillamook State Forest. Inmitten hoher, mit Moos bewachsener Bäume verbrachten wir die Nacht auf einem abgelegenen Campingplatz.


Von dort aus führte uns die Straße an die Küste. Nach 93 Tagen und 10.000 gefahrenen Kilometern bot sich uns endlich der Blick auf den Pazifischen Ozean. Begleitet von Möwenschreien fuhren wir auf dem Highway 101 an der Küste entlang, der uns einen atemberaubenden Ausblick auf zerklüftete Felsen und das endlose Meer bot.


Ab dem 25. August verbrachten wir drei Nächte auf dem Alder Dune Campground. Wie der Name schon verrät, ist das umliegende Gebiet von einer Dünenlandschaft geprägt. Die ersten Wanderungen durch das sandige Terrain erwiesen sich als sehr anstrengend, doch die Aussicht war jede Mühe wert.




Heute setzten wir unsere Reise die Küste entlang in Richtung Süden fort und erreichten schließlich Kalifornien. Von unserem Stellplatz am Meer können wir unzählige Wasservögel bei der Aufzucht ihrer Jungen und bei der Jagd beobachten. Gelegentlich stecken auch einige Robben ihre Köpfe aus dem Wasser.


Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 1.077 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 10.822km
Zeitverschiebung: 9 h (zurück)

21.08.2024
Neue Freunde
Neue Länder
Es gibt Tage, an denen man am liebsten nach Hause möchte – sie sind selten, aber sie kommen vor. Tage, an denen man sich nach der schützenden Geborgenheit eines Zuhauses sehnt. So war es auch am Morgen des 13.08. Nach einer Nacht im Zentrum von Cochrane, nur wenige Kilometer von den Rocky Mountains entfernt, gab unser Anlasser zum dritten Mal den Geist auf. Doch so sehr man auch weinen oder schreien möchte, ein kühler Kopf ist das Einzige, was wirklich hilft – tief durchatmen.
Schon nach wenigen Minuten zog uns ein Kanadier an und wir furhen zurück in die VW-Werkstatt, etwa 30 km entfernt. Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnte: Die kommenden Tage sollten trotz allem zu den schönsten unserer bisherigen Reise gehören.
Jesse, seine Familie, seine Kollegen und Freunde nahmen uns herzlich auf und unterstützten uns, wo sie konnten. Bereits am Dienstag wurde ein neuer Anlasser bestellt, der nur zwei Tage später geliefert werden sollte. Am Mittwochabend lud uns Jesse zum "Chicken Wings Wednesday" im örtlichen Restaurant ein, und wir verbrachten einen wunderbaren Abend im kanadischen Stil.



Am Donnerstag wurde der neue Anlasser geliefert, doch leider war schnell klar, dass dies nicht das eigentliche Problem war. Die Schäden an den defekten Anlassern deuteten darauf hin, dass sich der Anlasser während der Fahrt einschaltete. Nach und nach wurden die möglichen Ursachen behoben, und nach einer herzlichen Verabschiedung machten wir uns am Freitag mit Fritz auf den Weg zurück in die Rocky Mountains.



Die letzten zwei Nächte in Kanada verbrachten wir am Lake Enid, einem wirklich schönen und zudem kostenlosen Campinggebiet. Fritz wurde gründlich geputzt, alle zollrelevanten Lebensmittel verzehrt, und dann ging es mit einem kurzen Zwischenstopp in Cranbrook über die Eastport-Kingsgate-Grenze nach Idaho in die USA. Der Grenzübergang verlief auffallend unauffällig – nach einigen Standardfragen fuhren wir mit Fritz über den US Highway 95 Richtung Süden.

Unsere erste Nacht in den USA verbrachten wir auf dem Garfield Bay Campground am Lake Pend Oreille.


Am Dienstag, den 20.08., folgten wir dem Pend Oreille River stromabwärts und verbrachten die Nacht an seinen Ufern auf dem Riley Creek Campground.

Heute fuhren wir in die Stadt Spokane im Bundesstaat Washington, einer wirklich nicht besonders schönen Stadt. Dort unternahmen wir eine Shoppingtour durch verschiedene Campingausstatter, bis wir schließlich weiter Richtung Südwesten zur Fishtrap Recreation Area fuhren, wo wir die Nacht verbringen werden.
In den kommenden Tagen werden wir in Richtung Portland und zur Pazifikküste weiterfahren. Wir freuen uns auf die landschaftlichen Veränderungen, die wir bereits jetzt deutlich spüren.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 829 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 9.745 km
Zeitverschiebung: 9 h (zurück)

12.08.2024
Mountains & Music
Auf unserem Weg nach Osten fuhren wir durch die Kleinstadt Canmore an den Ausläufern der Rocky Mountains. Etwa 15 Kilometer von der Stadt entfernt fanden wir einen schönen Platz, von dem aus wir am Donnerstagmorgen eine Tour zum Grotto Creek Canyon unternahmen. Diese Gesteinsschlucht führt so wenig Wasser, dass man sie problemlos durchwandern kann.



Am Freitag bestiegen wir den Yates Mountain, der einen wunderschönen Ausblick über das Kananaskis Country und den Barrier Lake bietet. Das Gestein in diesem Gebiet ist besonders scharfkantig, und die Haut verzeiht hier nur selten einen Fehler – das bekommen insbesondere die zahlreichen Kletterer in diesem Gebiet zu spüren.

Einen dieser Kletterer lernten wir persönlich kennen, und er gab uns viele wertvolle Tipps. Zu unserer Freude kam es außerdem zu einer kleinen gemeinsamen Musiksession.
Am Samstag verließen wir die Rocky Mountains, und das Gelände wurde allmählich flacher. Die Berge wichen sanften Hügeln.
In Calgary erledigten wir einige Einkäufe und verbrachten den Großteil der Zeit an den Ausläufern der Stadt am Bow River. Dieser ist bei den Stadtbewohnern besonders beliebt, um sich von den warmen Temperaturen abzukühlen oder sich in einem Boot flussabwärts treiben zu lassen.



Heute ließen wir in der Nähe der Stadt bei einem VW-Spezialisten die vorderen Radlager auswechseln, um uns auf die Reise Richtung Süden vorzubereiten.
In den kommenden Tagen werden wir die US-Grenze überqueren und das Kapitel Kanada hinter uns lassen. Dieses Land hat uns verzaubert – nicht nur mit seiner wunderschönen Natur, sondern auch mit der Freundlichkeit seiner Menschen. Die Kanadier waren stets aufgeschlossen und hilfsbereit, und wir sind uns sicher, dass dies nicht unser letzter Besuch gewesen sein wird.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 338 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 8.916 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

07.08.2024
Wasser überall
Erleichtert verließen wir Golden am Sonntag, dem 4. August. Zurück auf der Straße führte uns der Highway durch die Berge zurück in den Yoho Nationalpark zum Hoodoo Creek Campground. Das heiße Wetter wich einem wechselhaft feuchten Klima, das die Berge immer wieder in ein dichtes Wolkenkleid hüllte.
Noch am selben Tag besuchten wir die Wapta Falls. Die Wassermassen des Kicking Horse Rivers stürzen hier über eine 107 Meter breite Kante und versprühen dabei einen kalten Nebel.


Am Montag setzten wir unsere Fahrt zum Banff Nationalpark fort und machten eine Wanderung im Gebiet des Takakkaw Falls, dem zweithöchsten Wasserfall Kanadas mit einer Gesamthöhe von 373 Metern. Das Wasser scheint hier wie in Zeitlupe in die Tiefe zu fallen.



Von dort aus fuhren wir zum Protection Mountain Campground, etwa 15 Kilometer östlich des Dorfes Lake Louise, am gleichnamigen See, der berühmtesten Seenswürdigkeit des 6641 km² großen Parks. Gesehen haben wir den See allerdings nicht, da wir uns bei einer Parkgebühr von 36 CA$ (24 €) einig waren, dass Banff unzählige weitere wunderschöne Orte zu bieten hat.
So auch den Johnston Canyon, ein unglaubliches Naturschauspiel und einen Besuch allemal wert.




Heute Morgen starteten wir den Tag mit einem Besuch der Hot Springs bei Banff. Es handelt sich um ein Outdoor-Schwimmbecken, das von heißen Quellen gespeist wird und eine Temperatur von 40 °C erreicht. Das umliegende Bergpanorama konnten wir durch die Wolkenschwaden nur gelegentlich erahnen.
In den kommenden Tagen werden wir die Rocky Mountains für einen Besuch in Calgary verlassen. Wir freuen uns sehr, dass wir diesen Bergen noch nicht endgültig Lebewohl sagen müssen.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 173 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 8.578 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

05.08.2024
Auf die Probe gestellt
Zwar führte uns die Straße Richtung Golden, doch leider konnte Fritz diese Strecke nicht mehr selbst fahren. Trotz aller Bemühungen, Fritz wieder ans Laufen zu bekommen, mussten wir ihn am 22.07. aus dem Yoho-Nationalpark in die 35 km entfernte Stadt Golden abschleppen lassen.
Der Anlasser, der am 26.06. in Prince Albert eingebaut wurde, bereitete uns schon kurz nach der Inbetriebnahme beim Starten Sorgen. Aufgrund derselben Symptomatik vermuteten wir diesen erneut als Übeltäter.
Zusätzlich erschwerte uns die Suche nach einer Werkstatt die Situation. Da keine geeignete Werkstatt Kapazitäten für uns hatte, ließen wir uns in eine Ford-Service-Werkstatt abschleppen. Dort mussten wir Fritz zurücklassen, ohne zu wissen, dass wir letztendlich zwölf Tage ohne ihn auskommen müssten. Wir packten unsere Campingausrüstung und verbrachten die kommenden Tage auf dem Municipal Campground, in der Hoffnung auf neue Informationen.


Am 24.07. erfuhren wir, dass der von uns zuvor besuchte Jasper-Nationalpark über Nacht aufgrund der Waldbrände evakuiert wurde. Insgesamt 25.000 Menschen flüchteten in die umliegenden Gebiete, auch nach Golden. In den folgenden Tagen wurden weitere umliegende Gebiete evakuiert, so auch das 30 km entfernte Parson. Da stellte sich die Frage: Was könnte eine Evakuierung zu diesem Zeitpunkt für uns bedeuten?
Neben der offensichtlichen Gefahr fürchteten wir, von Fritz - unserem Zuhause - getrennt zu werden. Zudem würde sich eine Reparatur enorm verzögern. In dieser allgemein ungewissen Lage bedurfte es in manchen Momenten viel Willenskraft, optimistisch zu bleiben und Ängsten nicht zu viel Raum zu geben.



Am 26.07. erhielten wir die Nachricht, dass man uns nicht helfen könne und empfahl uns, den Wagen in eine Volkswagen-Werkstatt im 200 km entfernten Calgary abschleppen zu lassen. Eine Diagnose erhielten wir nicht. Aufgrund der drohenden hohen Transportkosten entschieden wir uns, Golden noch eine Chance zu geben, und erhielten nach einigen Telefonaten für den 3. August einen Termin in einer passenden Werkstatt. Noch am selben Tag ließen wir uns zu dieser Werkstatt abschleppen. Die Mitarbeiter vor Ort hinterließen bei uns ein gutes Bauchgefühl.
So ließen wir Fritz erneut zurück und machten uns mit unserem Gepäck auf den Weg zum 3 km entfernten Whispering Spruce Campground. In sengender Hitze schleppten wir unsere Rucksäcke am Highway entlang bergauf. Die LKWs donnerten an uns vorbei, und der Geruch von Teer, geschmolzenem Gummi und Rauch entfernter Waldbrände lag in der Luft. Aufgrund der fehlenden Einkaufsmöglichkeiten vor Ort mussten wir diese Strecke in den nächsten Tagen noch mehrmals bewältigen.

Trotz der fehlenden Diagnose entschieden wir uns, unserer Vermutung zu vertrauen und bestellten vorsorglich einen neuen Anlasser. Dieser traf am 02.08. ein und wurde am Tag darauf eingebaut.
Und dann hieß es am Telefon: "It's running." In solch einem Moment traut man sich kaum zu hoffen...
Letztendlich verbrachten wir knapp zwei Wochen in Golden, und diese Erfahrung stellte uns alle drei in vielerlei Hinsicht auf die Probe.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 75 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 8.405 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

23.07.2024
Das Klima der Berge
Während unseres Aufenthalts auf dem Mount Kerkeslin Campground besichtigten wir die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten. An oberster Stelle standen die Athabasca-Wasserfälle, die wir am 12. Juli besuchten und die ein beeindruckendes Naturschauspiel boten.




Am folgenden Tag wanderten wir den Loop of the Five Lakes, der, wie der Name schon verrät, die Wanderer um ein Gebiet von fünf Seen führt. Die im Wasser enthaltenen Mineralien und Schwebstoffe ließen das Wasser in grünen und blauen Nuancen erstrahlen. Es wirkt als wären die Seen eingefärbt worden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass alle Bilder des Blogs unbearbeitet hochgeladen werden, damit ihr die Landschaft durch unsere Augen genießen könnt.


Auf unserer Weiterfahrt hielten wir bei den Sunwapta-Wasserfällen. Auch diese hinterließen einen bleibenden Eindruck und verdeutlichten die Kraft der tosenden Wassermassen, die über Jahrtausende das Gelände formten und sich tief in das Gestein gruben.


Die Straße führte uns weiter hoch ins Gebirge auf 2.000 Höhenmeter zum Wilcox Creek Campground. Die erhöhte Lage brachte eine frische Brise und war eine willkommene Abwechslung nach der stehenden Hitze im Tal. Von dort aus starteten wir am Montag zum Sonnenaufgang eine Wanderung zum Wilcox Pass, der ein Panorama über die Berglandschaft und den nahegelegenen Athabasca-Gletscher bot. Die grüne Hochebene trifft hier auf die leblosen Geröllhänge der nahegelegenen Gipfel und bietet zahllosen Nagern ein Zuhause. Auch das für die Rocky Mountains bekannte Bighorn-Schaf konnten wir im Schein der aufgehenden Sonne am Berghang beobachten.






Mit dieser Tour war für uns der Jasper-Nationalpark abgeschlossen, und unsere Route führte uns weiter in den Süden zum Yoho-Nationalpark.

Die Berge türmten sich über uns auf, und es wurde klar, wie der Mount Cathedral zu seinem Namen kam. In einem Land, in dem es weder Schlösser, Burgen noch Ruinen gibt, sind die Kathedralen der Natur die wahren Monumente. Auch sie lassen einen ehrfürchtig nach oben schauen.
Mit dem Verlust an Höhenmetern wurde das Klima staubiger und trockener. Die Waldbrände durchdringen die Luft mit Rauch. Kurze Regenschauer lassen Dampf aufsteigen und verströmen den Duft von Kiefernholz. Bei ca. 30 Grad und drückender Hitze im Schatten fühlte es sich tatsächlich an wie ein nie endender Saunagang.
Heute Morgen ließ ein auffrischender Wind uns einen ersten Blick auf die umliegenden Berge des Ortes Golden werfen.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 408 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 8.330 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)


12.07.2024
Auf den Spuren von Bigfoot
Am Dienstag, den 9. Juni, verließen wir den Snaring Campground und fuhren entlang des Athabasca Rivers Richtung Südosten bis zur Mündung des Whirlpool Rivers. Ab dort starteten wir unsere Wanderung und folgten dem Fluss stromaufwärts. Dieser führte uns durch das Tal zwischen dem Mt. Edith und dem Geraldine Peak und überquerte bzw. durchquerte zahlreiche Bäche, die sich von den Bergen hinab ihren Weg bahnten.
Unser Abschnitt des Weges gehört zum 50 km langen Athabasca Pass, der bereits von den First Nations genutzt wurde, um die Rocky Mountains zu überqueren. Heute ist dieser Pass aufgrund einer zerstörten Brücke nicht mehr vollständig begehbar. Etwa 3 km vor dieser Brücke erreichten wir am Nachmittag den Tie Campground, der einen schönen Ausblick auf den Fluss und die umliegenden Berge bot. Der Platz selbst verfügte lediglich über einen Balken zum Aufhängen von Lebensmitteln, einen Balken mit einer kleinen Grube als Toilette und eine Feuerstelle. Hier errichteten wir unser Zelt und sammelten Feuerholz für das Abendessen.



Die umliegende Gegend ist unter Einheimischen für ihre Bigfoot-Sage bekannt. Erste europäische Siedler stießen hier im Winter ungewöhnlicherweise auf große Tatzenspuren und erbauten während der Jagd nach Bigfoot einige Hütten und Verschläge. Wann den Jägern klar wurde, dass es sich bei der gesuchten Beute vermutlich um einen aus dem Winterschlaf erwachten Grizzly handelte, ist nicht bekannt.
Glücklicherweise begegneten wir in unserem Camp weder Bigfoot noch einem Grizzly, sondern lediglich einem kleineren Schwarzbären, der sich von unserem Essen angezogen fühlte. Nach einer ruhigen Nacht brachen wir nach dem Frühstück auf und begaben uns auf den Rückweg. Auf halber Strecke kamen wir an einem gut zugänglichen See vorbei und nutzten die Gelegenheit, uns im kalten Wasser von der schweißtreibenden Wanderung abzukühlen.




Zurück bei Fritz angekommen, fuhren wir zum Mount Kerkeslin Campground am Athabasca River und konnten uns dort ein schattiges Plätzchen sichern. Hier werden wir vermutlich die nächsten Tage verbringen und die umliegende Gegend erkunden.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): ≈ 147 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 7.922 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)
08.07.2024
Am 30. Juli kamen wir im kleinen Elk Island Nationalpark an. Dichte Wälder, Grasland, Seen und sumpfiges Gelände prägten das Landschaftsbild.
Anders als der Name vermuten ließ, bekamen wir während unseres dreitägigen Aufenthalts dort keine Elche oder Hirsche zu Gesicht. Stattdessen konnten wir Büffel beobachten, die sich auf der steppenähnlichen Landschaft am satten Gras erfreuten und ihre Jungen großzogen.
Sehr beeindruckende Tiere!


Büffel & Berge


Obwohl es uns dort sehr gut gefiel, konnten wir es kaum erwarten, weiterzufahren. Nachdem wir in Edmonton Wäsche gewaschen und eingekauft hatten, fuhren wir weiter Richtung Westen. Während die Sonne unterging, sahen wir am Horizont die ersehnten Berge. Wir näherten uns den Rocky Mountains und somit dem westlichsten Punkt Kanadas unserer Reise.


Diese Nacht verbrachten wir noch außerhalb des Jasper Nationalparks, um am nächsten Morgen gute Chancen auf einen Stellplatz auf einem Campingplatz zu haben. Da hier die Ferienzeit begonnen hatte, waren diese häufig bereits ausgebucht. Einige Plätze funktionieren jedoch nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. So nutzten wir die Vormittagszeit, um einen Platz zu ergattern.
Der Snaring Campground liegt im dichten Tannenwald direkt am Snaring River und bietet viel Platz.
Timos Highlight: Kostenloses Feuerholz.
Nach einer langen Fahrt lassen wir es am folgenden Tag immer etwas ruhiger angehen. So besichtigten wir am Freitag (05.07.) den Maligne Canyon. Der 6 km lange Rundweg führte direkt am Fluss entlang, bis er sich hoch in die Berge schlängelte und einen beeindruckenden Blick auf das Tal bot.



Am Samstag unternahmen wir eine längere Wanderung entlang des Pyramid und Patricia Lakes. Auch hier konnten wir wieder fantastische Ausblicke genießen.
Zudem spürten wir deutlich die klimatischen Veränderungen. Während zuvor die Landschaften sehr feucht und sumpfig waren, wurde es nun deutlich trockener und staubiger und erinnerte sehr an Südeuropa.
Die trockenere Luft brachte auch einen entscheidenden Vorteil: Weniger Mücken.


Am Sonntag entschieden wir uns für eine kurze, aber knackige Wanderung: 600 Höhenmeter auf 2,5 km Strecke bei fast 30 Grad. Wer da den kürzeren gezogen hat, brauchen wir hier wohl nicht zu erwähnen. Aber der Ausblick war die Anstrengung wert. Zudem sollte die Wanderung dazu dienen, meine (Julia) Belastungsgrenzen zu erforschen, damit wir uns bei längeren Touren nicht übernehmen.


Im Anschluss gingen wir im See schwimmen, um uns abzukühlen. Das Wasser war wirklich eiskalt, aber danach fühlte man sich butterweich und erfrischt.
Für morgen planen wir unsere erste Backcountry-Tour – eine Wanderung mit Übernachtung. Wir sind gespannt, wie das verlaufen wird und werden euch hier darüber berichten.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): 1.372 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 7.775 km

Zwangspause & Wapitis
29.06.2024
Am 19.06. fuhren wir durch die Stadt Prince Albert auf unserem Weg zum gleichnamigen, 70 km entfernten Nationalpark. Nach einigen Einkäufen passierte das, was wohl jeder Reisende fürchtet: Fritz sprang nicht an. In diesem Moment war unsere Zuversicht noch groß, dass dies ein schnell zu behebenes Problem sei
Mit etwas Hilfe und Recherche konnten wir feststellen, dass der Anlasser defekt war. Somit bestand die Möglichkeit, den Wagen mit der Hilfe eines freundlichen Kanadiers anzuziehen. Da diese Stadt für ihre Kriminalität bekannt ist, mussten wir zeitnah einen sicheren Ort für die Nacht finden. Da wir für jede weitere Fahrt Hilfe benötigen würden, stellten wir uns direkt vor die Autowerkstatt von Canadian Tire.
Es sollte sieben Tage dauern, bis wir Prince Albert wieder hinter uns lassen würden. Glücklicherweise konnten wir die meiste Zeit mit Fritz auf dem Stellplatz eines Motels verbringen. Am Mittwoch, den 26.06., war es endlich so weit: Ein passendes Ersatzteil wurde geliefert, und gegen Mittag fuhren wir wieder über endlose Landstraßen.

Mit einer Woche Verspätung kamen wir am Nachmittag im Nationalpark an. Dort fuhren wir mit Fritz auf den Beaver Glen Campground am Waskesiu Lake. Wie bisher alle Campingplätze der Nationalparks, bot dieser viel Platz, Entspannung und das Gefühl, im Wald zu sein. Verstärkt wurde dies durch gelegentliche Besuche von Wapitis (hier Elk genannt), die auf der Suche nach Nahrung durch die Büsche streiften.



Am Freitag liehen wir uns am See ein Kanu aus, in der Hoffnung, Bären und Hirsche am Ufer beobachten zu können. Diese ließen sich zwar nicht blicken, dafür entdeckten wir endlich ein weiteres Tier unserer Most-Wanted-Liste: den Weißkopfseeadler.

Heute Morgen sind wir vom Campingplatz abgefahren und haben im Ort Waskesiu noch eine Runde Minigolf gespielt, für die uns von einem einheimischen Ehepaar Freikarten geschenkt wurden. Danke an dieser Stelle an Connie und Alan für eure wertvollen Tipps, eure Gastfreundschaft und eine lehrreiche Partie Minigolf, die Timo gewonnen hat.
Die Nacht verbringen wir auf einem kleinen, kostenlosen Zeltplatz, etwa 180 km von Elk Island, unserem nächsten Ziel, entfernt.


Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): 767 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 6.403 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

Es wird tierisch
18.06.2024
Nachdem wir den Lake Superior am 12. Juni hinter uns gelassen hatten, führte uns der Highway 17 in stetig flacher werdendes Gelände. Die Straße schlängelte sich nun nicht mehr durch die bewaldeten Hügel, sondern zog sich wie ein Strich durch eine endlose Farmlandschaft. Kein Hügel war bis zum Horizont zu sehen. So verlief die Fahrt zum Riding-Mountain-Nationalpark überwiegend uninteressant.
Dieser Nationalpark ist eine Oase inmitten des leblosen Felderteppichs. Über 2.969 km² erstreckt sich dieses von Graslandschaften und Seen durchzogene Waldgebiet, in dessen Herzstück der Clear Lake liegt. Wie es einer Oase eigen ist, bietet dieses Gebiet vielen Waldbewohnern ein Zuhause, von denen wir einige mit eigenen Augen bewundern durften.
Es kann einem schon mal das Herz in die Hose rutschen, wenn man auf einem schmalen, uneinsichtigen Waldpfad um die Ecke biegt und in etwa 15 Metern Entfernung einem Bären in die Augen schaut.
Aber keine Sorge, es handelt sich hier um den Schwarzbären, der für den Menschen nur ein sehr geringes Risiko darstellt.








Am 17. Juni verließen wir den Riding-Mountain-Nationalpark in Richtung Nordwesten. Wir übernachteten an einem kostenlosen Zeltplatz direkt am Ufer des Red Deer Rivers. Auch hier haben wir verschiedene Tiere gesehen – einen neugierigen Bären, einen Biber im Wasser, Pelikane mit ihren beeindruckenden Flugkünsten und Fischreiher auf der Jagd.
Heute sind wir auf dem Weg zum Prince-Albert-Nationalpark in der Provinz Saskatchewan und freuen uns auf die kommenden Tage.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): 1.718 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 5.636 km
Zeitverschiebung: 8 h (zurück)

11.06.2024

An den Unfern des Lake Superior entlang
Nachdem wir den kleinen Ort Mattawa, Ontario, verlassen hatten, führte uns der Trans-Canada-Highway (hier Highway 17) weiter in den Westen.
Bereits nach der Stadt Ottawa wurde uns bewusst, wie beeindruckend die Weiten Kanadas sind. Einsame und endlose Straßen durch nie endende Wälder – ein grünes Meer, Hügel wie Wellen, die sich bis zum Horizont und darüber hinaus erstrecken, durchzogen von unzähligen Seen. Strahlendes Blau in leuchtendem Grün.
Am 5. und 6. Juni legten wir knapp 600 Kilometer zurück, bis wir den Lake Superior erreichten. Dies ist der größte der fünf Großen Seen Nordamerikas und mit 82.103 km² der flächenmäßig größte Süßwassersee der Erde (zum Vergleich: Bodensee = 536 km²). Mit dem Ufer zu unserer Linken und den endlosen Wäldern zu unserer Rechten fuhren wir 300 Kilometer am See entlang Richtung Norden.
Am Mittag des 6. Juni entschieden wir uns spontan, an einem Wanderweg zu halten und eine kleine Wanderung zu unternehmen, um die Müdigkeit zu vertreiben. Dabei bot sich uns ein wunderschöner Ausblick auf einen Fluss mit tosenden Wasserfällen.



Doch dieses endlose Panorama hat auch seinen Preis – Mücken. Was ein nicht komplett abgedichteter Wagen bedeuten kann, hatten wir zwar schon zuvor spüren dürfen, aber spätestens in White River war klar: Wir müssen etwas tun. Diese Nacht verbrachten wir unter unserer Decke wie in einem Zelt, und der Anblick der unzähligen Mücken am Morgen, die an den Wänden auf uns lauerten, erzeugte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Trotz des faszinierenden Anblicks des Sees am Morgen waren wir sehr erleichtert, als wir diesen Ort schnell hinter uns ließen.
Also Frühstück erstmal auslassen und weiter Richtung Westen. Auf den letzten 100 Kilometern besorgten wir uns in unserem Lieblingsbaumarkt 'Canadian Tire' die nötige Ausrüstung, um Fritz mückensicher zu machen. Schließlich kamen wir am Nationalpark Pukaskwa (ausgesprochen: Puck-a-saw) an. Noch am selben Tag begannen wir damit, die ermittelte Schwachstelle – die Dachluke – entsprechend abzudichten und zusätzlich eine Fliegengitter-Konstruktion an unserem Schlafbereich anzubringen. Dies stimmte uns zuversichtlich für die kommende Nacht.
Am Samstag, den 8. Juni, unternahmen wir eine kleine Wanderung, die uns die sieben Lehren der indigenen Bevölkerung näher brachte – genannt 'the seven Grandfather Teachings' – die einem den Weg in ein erfülltes Leben ebnen sollen. Dabei handelt es sich um Liebe, Respekt, Tapferkeit, Wahrheit, Ehrlichkeit, Demut und Weisheit. Mit jeder dieser Tugenden wird ein heimisches Wildtier in Verbindung gebracht: Adler, Elch, Bär, Schildkröte, Rabe, Wolf und Bieber.




Den Sonntag widmeten wir einer Wanderung zu einer Hängebrücke, die über einen tosenden Wasserfall führte. Dort stärkten wir uns mit einer warmen Mahlzeit, die wir für den Rückweg dringend nötig hatten. Rutschige Steine und tückische Wurzeln forderten ununterbrochene Konzentration.


Am Montag fuhren wir weiter den Superior Lake entlang bis zur Stadt Thunder Bay, wo wir die Nacht direkt am Boulevard Lake verbrachten. Vor unserer Abreise nutzten wir den Vormittag für einen Spaziergang um den See.
Unser nächstes größeres Ziel ist der knapp 1.000 Kilometer entfernte Riding-Mountain-Nationalpark in der Provinz Manitoba. Auf dem Weg dorthin werden wir sicherlich schöne Landschaften und Orte besichtigen, von denen wir euch erzählen werden.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): 1.585 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 3.942 km

04.06.2024
Weiter westwärts dem Sankt-Lorenz-Strom folgend
Am Samstag, den 01.06.2024, führte uns der Parc national de la Mauricie weitere 150 km in den Westen. An diesem Tag war es das erste Mal richtig warm, und das Wetter ließ uns bei schönen Ausblicken ordentlich schwitzen.
Der Nationalpark ist von zahlreichen Flüssen und Seen durchzogen. Unsere Route führte uns zum Lac Solitaire und Lac aux Chevaux. Es war die perfekte Gelegenheit, unsere Drohne zum ersten Mal einzusetzen.




Nach einer von LKW-Lärm geprägten Nacht auf einem Highway-Parkplatz fuhren wir nach Montreal, der größten Stadt der Provinz Quebec. Hier leben rund 1,8 Millionen Menschen. Diese Stadt lässt sich schwer beschreiben: Wolkenkratzer stehen neben historisch anmutenden Gebäuden, die Seitenstraßen sind heruntergekommen, und auch die Kathedrale Notre-Dame de Montréal ist von Baugerüsten umhüllt.
Noch am selben Tag machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Diese Nacht verbrachten wir auf einem abgelegenen Wanderparkplatz, wo wir an den Ufern des Sankt-Lorenz-Stroms den Geräuschen zahlreicher Vogelarten lauschen konnten.

Weiter westwärts dem Wasser folgend, erreichten wir am Dienstag den Ort Mattawa. Bei einem kurzen Einkaufsbummel in einem Baumarkt bemerkten wir, dass Fritz Diesel verliert. Zum Glück war es auch diesmal nur eine Kleinigkeit, die sich schnell beheben ließ. Drücken wir die Daumen und hoffen, dass es so bleibt.
Hier, auf dem Sid Turcotte Park Campground, bleiben wir bis Mittwoch, den 05.06. Es ist eine gute Gelegenheit, zum ersten Mal die Wäsche zu waschen.
Unser nächstes Ziel ist der 900 km entfernte Pukaskwa-Nationalpark. Wir sind gespannt, was uns auf der Reise dorthin erwartet.
Gefahrene Kilometer (seit letztem Eintrag): 925 km
Gefahrene Kilometer (insgesamt): 2.356 km

31.05.2024
Wer mag's französisch ...
Nachdem wir Grand Falls verlassen hatten, setzten wir unsere Reise am Mittwoch Richtung Norden fort, zum Parc national du Lac-Témiscouata. Dieses Gebiet wird vom 39 km langen See Témiscouata umrahmt und beinhaltet zudem weitere Seen. Nach einer kurzen Wanderung konnten wir bereits die Aussicht über den Park genießen.

Noch am selben Abend fuhren wir weiter zum Sankt-Lorenz-Strom. Die Weite des Flusses und die salzige Luft vermitteln einem das Gefühl, am Meer zu sein. Die wunderschöne Küste von Notre-Dame-du-Portage, mit ihren Seegraswiesen und Tidengebieten, bietet zahlreichen Wasservögeln ein Zuhause.



Aufgrund kleinerer handwerklicher Arbeiten am Camper und der idyllischen Lage entschieden wir uns, eine weitere Nacht dort zu verbringen. Die Ruhe und Entspannung nach den ereignisreichen Tagen taten uns sehr gut.

Am heutigen Morgen, Freitag, den 31.05., fuhren wir nach Quebec City, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Diese französisch geprägte Stadt gilt als die europäischste in Nordamerika und besitzt eine Altstadt mit Gebäuden, die teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammen. Doch für uns, die wir historisch gewachsene Städte kennen, wirken die verschiedenen Baustile teils zusammengewürfelt und die Fassaden makellos.
Dennoch hat uns die Stadt sehr gut gefallen und bot eine willkommene Abwechslung zum kanadischen Landleben.

Noch heute setzten wir unsere Reise fort und fuhren ein Stück weiter am Sankt-Lorenz-Strom entlang in Richtung unseres nächsten Ziels, dem Parc national de la Mauricie.
Auf halber Strecke werden wir die Nacht verbringen.
Gefahrene Kilometer
- seit letztem Eintrag -
532
Gefahrene Kilometer
- insgesamt -
1.408
28.05.2024
Grand Falls
Grand Falls ist ein kleiner, idyllischer Ort am Saint John River in der Provinz New Brunswick. Dieser Fluss hat über die Jahrtausende einen tiefen Canyon in den Fels gespült, wodurch sich ein beeindruckendes Panorama entwickelt hat. Nach längeren Regenepisoden stürzen hier große Wassermassen 23 Meter in die Tiefe, was das Naturschauspiel besonders sehenswert macht. Auch wenn der Wasserfall aktuell eher verhalten fließt, konnten wir die Zeit hier sehr genießen.



Morgen setzen wir unsere Reise fort und fahren weiter zum Parc national du Lac-Témiscouata. Dort werden wir die Nacht am Sankt-Lorenz-Strom verbringen. Wir freuen uns schon auf die schönen Landschaften und die ruhige Atmosphäre, die uns dort erwarten.


27.05.2024

Fundy Nationalpark
Am Freitag, den 25.05., haben wir zum ersten Mal einen kostenlosen Campingplatz ausprobiert, den wir mithilfe der App Wikicamps Canada gefunden haben. Diese Plätze sind meist einfache Parkplätze ohne Strom, Wasser oder Toiletten. Zum Glück ist unser Wohnmobil Fritz komplett autark.
Wir übernachteten in dem kleinen Ort Parrsboro an der Atlantikküste.
Am Samstag brachen wir nach einem schnellen Frühstück auf und fuhren zum Fundy Nationalpark. Dieses von Flüssen und Seen durchzogene Naturschutzgebiet gehört mit knapp 206 km² zu den kleineren Parks.



Auch diese Nacht konnten wir auf einem kostenlosen Campingplatz verbringen und dabei eine wunderbare Aussicht genießen. Heute setzen wir unsere Reise fort und fahren nach Grand Falls, das an den Ufern des Saint John River liegt.

22.05.2024
Ein Abenteuer beginnt mit Hindernissen
Am Freitag, den 17.05., machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Frankfurt. Nach einer Nacht in einem Airbnb fuhren wir zum Flughafen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und liebe Grüße an unsere Freunde, die uns dort überrascht haben.
Unser Flug nach Halifax startete nach zwei Stunden Verspätung um 18 Uhr und landete dort nach sieben Stunden um 20 Uhr Ortszeit. Mit dem Bus fuhren wir zu unserem nächsten Airbnb, das für drei Nächte unser Zuhause sein sollte. Wegen des Wochenendes und des Feiertags 'Victoria Day' konnten wir Fritz erst am Dienstag, den 21.05., am Hafen abholen. Die Zeit bis dahin war geprägt von Langeweile und kaltem, regnerischem Wetter – es war das letzte Warten.
Am Dienstag war es endlich soweit. Mit dem Bus fuhren wir zum Zoll, um Fritz nach Kanada einführen zu dürfen, und von dort zum Hafen. Alles verlief reibungslos und wir konnten Fritz abholen und endlich losfahren.
Doch nach nur 1,5 km kam der erste Schock: Der Motor ging aus und keine Besserung war in Sicht. Nach vielen Telefonaten fanden wir die Ursache: Durch den starken Seegang und den geringen Tankstand war Luft ins Motorsystem gelangt, was die Zündung verhinderte. Trotz der unermüdlichen Hilfe der Nachbarn sprang Fritz erst nach dem Auffüllen des Tanks wieder an. Nach zwei Stunden des Bangens konnten wir unsere Reise fortsetzen.
Dann erledigten wir unseren ersten Großeinkauf und besorgten alle essenziellen Dinge, einschließlich Autogas, was sich als eine kleine Schnitzeljagd herausstellte. Schließlich erreichten wir unseren Campingplatz, den Wild Nature Campground. Hier, mitten in der Natur, bei schönstem Wetter, genießen wir die Idylle des Sees, das Zwitschern der Vögel und das Hoppeln der Kaninchen im Unterholz.
Noch am Dienstag räumten wir den Bulli einmal komplett aus, gaben jedem Gegenstand seinen Platz, füllten den Wassertank und kochten zum ersten Mal. Nach einer erholsamen ersten Nacht gab es frisch gebrühten Kaffee und Pancakes zum Frühstück. Es gibt immer etwas zu tun, aber der erste Schritt ist getan.
Für uns hat das Abenteuer nun begonnen!
An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren Liebsten in der Heimat bedanken! Wir sind froh, dass wir in den letzten Wochen die Möglichkeit hatten, euch noch einmal zu sehen und sind dankbar für eure Unterstützung und lieben Worte! Fühlt euch gedrückt!
Julia & Timo




13.05.2024


Fritz ist angekommen
Nach einer zweiwöchigen Seefahrt über den Atlantik ist Fritz endlich in Halifax angekommen, der Hauptstadt der Provinz Nova Scotia. Dort werden wir ihn am 21.05. empfangen und gemeinsam unser Abenteuer beginnen.
Um den Einstieg angenehmer zu gestalten, haben wir bereits einen Campingplatz für die ersten drei Nächte gebucht. Der Wild Nature Campground ist lediglich knapp 60 km von Halifax entfernt und liegt an einem kleinen See, umgeben von Wäldern und Wiesen.
Diese Zeit werden wir nutzen, um uns auf die kommenden Etappen unserer Reise vorzubereiten.
03.05.2024
Es geht los
Unser Team besteht nicht nur aus Timo und Julia, sondern auch aus unserem geliebten Fritz.
Nach einer ausgiebigen Phase des Umbaus ist auch er nun endlich bereit für das Abenteuer.
Timo und Fritz machten sich am 23. April 2024 auf den Weg nach Hamburg. Nach einer erholsamen Nacht auf einem Wohnmobilparkplatz wurde Fritz am nächsten Morgen um
9:30 Uhr am Hafen abgegeben.
Von dort aus begann für ihn am 29. April die Überfahrt über den Atlantik, eine Reise, die ganze 14 Tage dauern wird.
Wir wünschen ihm eine ruhige Überfahrt mit möglichst wenig Seegang und freuen uns bereits darauf, ihn am 21. Mai in Halifax, Kanada, wieder in Empfang zu nehmen.

